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Heimat beginnt im Treppenhaus

Heimat beginnt im Treppenhaus
Heimat beginnt im Treppenhaus

LIMBURG.- Auf Spurensuche nach der Heimat begab sich der Diözesancaritasverband Limburg am Donnerstag, 14. September. Beim Tag der Caritas in der Kreuzwoche sprach Eva Maria Welskop-Deffaa, Vorstand für Sozial- und Fachpolitik im Deutschen Caritasverband, vor etwa 350 haupt- und ehrenamtlichen Caritas-Mitarbeitern sowie Gästen aus Politik und Gesellschaft über "Gemeinsam sind wir Heimat".

Der Tag der Caritas fiel in diesem Jahr auf das Fest Kreuzerhöhung. Zu diesem Anlass stand das Lampedusa-Kreuz, gefertigt aus Planken von Schiffen, mit denen Flüchtlinge in Italien gestrandet waren, neben der Kreuzreliquie.

Beim Gottesdienst im Limburger Dom betonte Monsignore Michael Metzler, Vorsitzender der Caritasstiftung im Bistum Limburg: "Das Kreuz von Golgatha und das Kreuz de Schiffsplanken von Lampedusa sind aus demselben Holz." Und auch das Flammenkreuz der Caritas wolle die Gläubigen anspornen, "wie wir Feuer und Flamme werden können", um den Menschen beizustehen. Mit der Kreuzreliquie, die große Stücke aus dem Heiligen Kreuz enthält, spendete er den Segen.

"Heimatbegriff nicht denen überlassen, die ihn missbrauchen"

"Nachbarschaft ist die erste Erfahrung von Heimat für Flüchtlinge", betonte Eva Maria Welskopp-Deffaa bei ihrem Vortrag. Daher beginne Heimat besonders im Treppenhaus. "Das ist der wahre Ort menschlicher Begegnung." Es müsse Anliegen der Caritas sein, Solidarität mit Flüchtlingen im sozialen Nahraum erfahrbar zu machen. "Wenn Heimat im Treppenhaus beginnt, ist die Caritas genau der richtige sozialpolitische Akteur, um hier Heimat zu schaffen", sagte sie mit Blick auf die zahlreichen Quartiers-Projekte des Verbandes.

Welskopp-Deffaa bezog sich auf die Caritas-Kampagne 2017, die unter dem Titel "Zusammen sind wir Heimat" steht, und hielt fest: "Wir wollen den Heimatbegriff nicht denen überlassen, die ihn missbrauchen."

Auch Europa müsse im Blick sein, wenn über Heimat im Jahre 2017 gesprochen werde. "Wenn wir uns nicht einmal über die Verteilung von Geflüchteten in diesem europäischen Sozialraum verständigen können", so Welskopp-Deffaa, "dann müssen wir als Caritas dazu beitragen, dass die berechtigte Erwartung der Geflüchteten, menschenwürdig aufgenommen zu werden, erfüllt wird."

Buch berichtet von Fluchterfahrungen

Jenny Schuckardt, Politikjournalistin und Autorin, las aus ihrem Buch "Beyond survival". Ein Jahr lang hat Schuckhardt Gespräche mit geflüchteten Kindern, Jugendlichen und Eltern geführt. In ihrem Buch geht sie der Frage nach, was Menschen auf ihrer Flucht erlebt haben und wie sie sich als Fremde in einem fremden Land fühlen.

Beim Tag der Caritas erzählte sie die Geschichte der syrischen Familie Housoun, die etwa 180 Kilometer von Beirut entfernt lebte und über die Türkei und Griechenland nach Deutschland geflüchtet ist. "Für 1500 Euro gab es ein Sandwich, einen halben Liter Wasser und eine Überfahrt nach Griechenland", so Schuckhardt.

Zur Gesprächsrunde mit dem Thema "meine Heimat, deine Heimat, unsere Heimat - Heimat gemeinsam erleben" wurden zahlreiche Beiträge der Twitter-Wand hinzugezogen. Die Beiträge der Anwesenden unter den Hashtags #heimat und #TagDerCaritas wurden aus dem sozialen Netzwerk direkt in den Saal übertragen.

Hintergrund

Der Tag der Caritas wird immer am Donnerstag der Kreuzwoche gefeiert. Darauf folgt am Freitag der Tag der Orden. Die Kreuzwoche endet mit dem Kreuzfest. Alle Informationen zur Themenwoche gibt es auf: www.kreuzfest.bistumlimburg.de.